Einträge von: Marco Clausen

25 000 gegen den #Mietenwahnsinn

Selten wurde so breit zum Protest aufgerufen. Doch Verdrängung, Spekulation und Gentrifizierung geht inzwischen alle an. Insgesamt hatten 256 Gruppen zur Mietenwahnnsinn-Demonstration aufgerufen und knapp 25.000 Menschen sind in einem beeindruckenden Umzug auf die Straße gegangen.

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Auch Common Grounds / Prinzessinnengarten ist Teil des UnterstützerInnenkreises. Angesichts des anstehenden Vertragsendes am Moritzplatz haben wir ein Banner „Prinzessinnengarten für immer“ mitgebracht. Im Rahmen der dezentralen Aktionswoche hatten wir im Vorfeld der Demonstration zusammen mit dem Bündnis Otto-Suhr-Siedlung und Umgebung einen Abend zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Oranienstraße veranstaltet, bei dem sich über 80 AnwohnerInnen und Interessierte engagiert ausgetauscht haben. Über den sich formierenden Protest in der O-Strasse hatte auch das ARD-Mittagsmagazin in seiner Serie zu Gentrifizierung in den Großstädten berichtet:

 

ARD-Mittagsmagazin zu Gentrifizierung in den Großstädten Teil 4

 


In Solidarität mit der ZAD

Verteidigt die Gemeingüter weltweit

Am Montag den 9 April hat die französische Polizei damit begonnen, Bauernhöfe, Häuser und Scheunen in der ZAD (The zone à defendre, Zu verteidigendes Gebiet) zu zerstören. Bei dem Gebiet der ZAD, auf dem ein halbes Jahrhundert lang ein Großflughafen geplant war, handelt es sich um eines der wichtigsten gegenwärtigen Orte sozio-ökologischer Auseinandersetzungen in Europa. Notre-Dame-des-Landes könnte für den Kampf um Klima- und Umweltgerechtigkeit in Europa dieselbe Rolle spielen wie der Widerstand gegen die Ölpipeline in Standing Rock es für die Mobilisierung in Nordamerika getan hat. In beiden Fällen beruft sich der Widerstand gegen die megalomanen Projekte der fossilen Zivilisation auf eine andere Art mit dem Land umzugehen. Nicht Eigentum und wachstumsgetriebene Extraktivismus, sondern die Sorge um das Land, das Ökosystem und das Wasser stehen im Vordergrund. Das Gebiet wird als ein Gemeingut betrachtet, die NutzerInnen sind nicht EigentümerInnen, sondern Sorgetragende und Treuhänder ihrer Umwelt.

Solidaritätsaktion mit der ZAD in der Laube im Prinzessinnengarten zusammen mit Nachbarschaftsakademie, Commons-Abendschule und Artists at Risk

In dem Gebiet im Westen Frankreichs wurde nach über einem halben Jahrhundert des Kampfes der geplante  Flughafen endgültig verhindert. Der vielfältige und breite Widerstand brachte nicht nur lokale Bevölkerung, Bauern und Bäuerinnen, UmweltschützerInnen und KlimaaktivistInnen zusammen, sondern hat in den letzten Jahren auch eine andere, selbstorganisierte Art zu leben, zu arbeiten, zu bauen und den Boden zu bearbeiten gedeihen lassen. Will man eine zukunftsfähige Welt, dann kann die Anwort auf die das Engagement für Klima- und Umweltgerechtigkeit nicht darin bestehen, mit Schagstöcken und Trängas den Weg freizuschlagen für Großprojekte und industrielle Landwirtschaft, die der Vergangenheit angehören.

Ein Video das zeigt, was in der Zad entstanden ist und nun droht zerstört zu werden

Auf dem „befreiten Gebiet“ leben 300 Menschen in 80 Kollektiven, die in den letzten Tagen versucht wurden gewaltsam zu Räumen. Es waren diese Menschen und die breite internationalen Unterstützung, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Flughafenpläne endgültig verworfen wurden. Für diesen Sieg scheint man an den Menschen in Notre-Dame-des-Landes jetzt Rache nehmen zu wollen, in dem 2500 Bereitschaftspolizisten entsandt wurden, um mit Polizeipanzern, Schlagstöcken und Tränengas die alte Ordnung gewaltsam wieder herzustellen. Dieser Angriff richtet sich nicht nur gegen die Besetzung, er richtet sich gegen die Idee einer anderen Lebens jenseits des Betons, der Megaprojekte und des umweltzerstörenden Wachstums.

Die ZAD wurde 2009 gegründet, nachdem lokale Bewohner dazu aufgerufen hatten, die verlassenen Bauernhäuser zu besetzen. Sie ist inzwischen zu einem der größten Commoning-Experimente in Europa geworden. Statt mit Beton versiegelt zu werden, blüht hier ein anderes Leben. In der Erklärung „Es ist Zeit andere Formen zu leben zu verteidigen“ erklären über 100 Architekten, Urbansten und Intellektuelle:

„Dadurch, dass sie den Boden und das Gebiet  am Leben gehalten haben, haben alte und neue BewohnerInnen die Zerstörung der Natur und der landwirtschaftlichen Flächen für mehr als zehn Jahre verhindert. Sie sind zu Treuhändern oder Sorgenden dieser Ortes geworden, in dem sie neue Formen kollektiver Organisation und Handels entwickelt haben; dazu zählen Holzbau, Backen, Gemeinschaftsgärtnern, Weizenanbau, Waldbau, eine Bibliothek, Obstgärten, eine Brauerei, Käseherstellung, die Konservierung von Lebensmitteln, eine Schmiede, eine Gerberei, einen Laden für Heilpflanzen, Musik und mehr. Durch dieses Tun haben sie gezeigt, dass es möglich ist anders zu leben, weit entfernt von staatlichen Szenario einer industriellen und standardisierten Landwirtschaft, sowohl durch alternative Formen des Bauens als auch dadurch, einen lebenswerte und nachhaltige Zukunft für ländliche und bäuerliche Gebiete zu imaginieren … Durch das Zusammenwirken einer Vielfalt von ältere und neuere BewohnerInnen, kleine bäuerliche Betriebe, BesetzerInnen, Nachbarn, wilden und domestizierten Tieren, Gräsern, Insekten und Bäumen und mit jenen, die hierher kommen, FreundInnen, Studierende, AktivistInnen, Reisende, HandwerkerInnen, ist ein geteiltes Territorium entstanden,  jenseits dews Konzepts von Eigentum, Gewohnheiten und materiellen Loyalitäten … Und weil die ZAD den Weg weist zu einem Leben woanders und anders als in den Metropolen, ist dieses Experiment relevant für uns alle.“

Die Unterzeichnenden setzen sich gegen die Zerstörung der ZAD mit den Worten ein:

„Wir wissen, dass es nicht ausreichen wird, die Quellen unserer Energiegewinnung sauberer zu machen, umweltfreundlicher zu bauen oder unsere Städte grüner zu machen, um eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft für uns zu sichern. Die Bedeutung Lebensformen zu entdecken, die weniger Energie und Ressourcen verbrauchen und für die wir uns vollständig einsetzen können, verlangt von uns, die ZAD und ihre Bewohnerinnen zu verteidigen“.

It’s Time to Defend Other Ways of Living, 12.04.2018

 

Weitere Informationen

Webseite der ZAD in Deutsch
A call for intergalactic solidarity:  https://zadforever.blog/2018/04/11/a-call-for-intergalactic-solidarity-actions-everywhere-to-end-the-destruction-of-the-zad-of-notre-dame-des-landes/

Filmprojekt über die ZAD: Everything’s coming together while everything’s falling apart: The ZAD from Oliver Ressler

Beitrag im Guardian
Petition

 


Auftakt Wunschproduktion: Wohin geht die O-Straße?

Gestern haben wir unsere Wunschproduktion zu 99 Jahre Prinzessinnengarten als Gemeingut gestartet. Der Abend unter dem Titel “Wohin geht die O / Where does the O go?” wurde zusammen mit der MieterInnengemeinschaft BOSS & U und der Commons-Abendschule organisiert. Über 80 Interessierten, VertreterInnen von Nachbarschaftsinitiativen und AnwohnerInnen haben in der Bona-Peiser über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Oranienstraße zwischen Genztrifizierung und Gemeingut diskutiert. Unter anderem haben sich vorgestellt die Nachbarschaftsinitiativen OraNostra und BOSS&U, die Bilgisaray, der Prinzessinnengarten, Aufbau-Haus und Kieznetzwerk.

Mitglieder des Bündnis Otto-Suhr-Siedlung und Umgebung machen ein Foto für die Aktionswoche der Mietenwahnsinn-Demonstration

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Die Ergebnisse der sehr engagierten, diversen und kritischen Beiträge werden wir an dieser Stelle demnächst zusammenfassen. Auch das ARD- Mittagsmagazin berichtet in seiner Reihe über die O-Straße über die Veranstaltung und die Vorbereitungen zur Mietenwahnsinn-Demonstration am 14.4.

Wer Interesse am Mitmachen hat, wir treffen uns als selbstorganisierte Abendschule jeweils Montags in den Räumen Oranienstraße 45 um 18:30 zur „Commons Abendschule“

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There is no time

Die Klasse Design for the Living World der HFBK Hamburg (Marjetica Potrc) haben für den G20-Gipfel in Hamburg das Projekt “There is no Time” entwickelt. Eines der in diesem Rahmen entstandenen Videos beschäftigt sich mit den Theme Ernährungssouveränität. VertreterInnen lokaler Initiativen präsentieren ihre Praktiken als Labore einer neuen Kultur, in der das Teilen und gemeinschaftsofrientierte Formen der Landwirtschaft Teil einer resilienten Stadtentwicklung sind.

In dem Video zu sehen und zu hören sind:  Lucia Babina (Kulturaktivistin, Spanien), David Barkin (Soziologe, Mexico City), Marco Clausen (Prinzessinengärten, Berlin), Stefanie Engelbrecht (Minitopia, Hamburg), Katharina Held (Anthropologin,Hamburg), Harald Lemke (gastrosoph, Hamburg), Svenja Nette (Prinzessinengärten, Berlin), Konstantinos Polychronopoulos (Aktivist, Athens), Marjetica Potrč (Künstlerin, Berlin), Xin Cheng unf Chinook Ulrich Schneider (Hamburg).


Top 10 Best Art/Sustainability Initiatives in Berlin

Yasmine Ostendorf hat in einem Beitrag für “Artists and Climate Change” die 10 besten Kunst- und Nachhaltigkeitsinitiativen ausgewählt.

“Berlin is known as a city par excellence for artists, creatives and grassroots movements and it is exactly these people who are great at imagining and repairing broken systems, making significant contributions to creating a more environmentally safe and just society. To celebrate their work, I selected the ten most innovative art initiatives in Berlin (in alphabetical order) that engage with environmental issues through their artistic programming and practice.”

Art Laboratory Berlin, Art Objective – Contemporary Art Collaborations, Food Art Week, Green Music Initiative, Haus der Kulturen der Welt, id22 – the Institute for Creative Sustainability, Orchester des Wandels, Prinzessinnengäretn und Nachbarschaftsakademie, ufaFabrik, ZK/U – Center for Art and Urbanistics


Netzwerk zur Rettung der Berliner Gärten

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Das neu gegründete Netzwerks Urbane Gärten Berlin hat sich echt ins Zeug gelegt und eine Kundgebung vor dem Rathaus Neukölln organisiert. Anlass war die Kündigung einer Teilfläche des Gemeinschaftsgartens Prachttomate. Gleichzeitig setzt sich das Netzwerk für den Erhalt aller Gärten ein. Parallel hat die Regierungskoalition aus SPD, LINKEN und Grünen einen Antrag im Abgeordnetenhaus eingebracht, um das “Urban Gardening in der Stadt zu verwurzeln”. Danach  soll ein gesamtstädtisches Konzept für urbane Gärten entwickelt und eine Ansprechstelle eingerichtet werden.

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Zeitungsbeiträge

 

Verdrängung in Neukölln from Zwei Schritte vor, einen zurück on Vimeo.


Belo Horizonte

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Urban Gardning Workshop in Belo Horizonte

Die Prinzessinnengärten waren zum Fórum Habitar 2017 nach Belo Horizonte (Brasilien) eingeladen. Im Rahmen der Konferenz haben wir die Prinzessinnengärten und die Nachbarschaftsakademie präsentiert. Zusätzlich wurde ein Workshop zu urbanen Gärten im Instituto des Estuvos do Desenvolvimento Sustentável in Lagoinha organisiert. Das Interesse war überwältigend. Von den knapp 200 eingegangenen Bewerbungen konnten wir nur 40 annehmen. Mit viel Engagement wurden die Möglichkeiten zum Aufbau von Gemeinschaftsgärten in BH diskutiert und sich zu Fragen der Einbindung von Nachbarschaften, der Ökonomie solcher Gärten, der Zielsetzung und dem Problem der Gentrifizerung ausgetauscht. Ergebnisse des Workshop waren das Ziel, einen Gemeinschaftsgarten in Lagoinha aufzubauen und regelmäßige Treffen zur Initiierung eines Netzwerk der Initaitien und Interessierten zu organisieren.

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Social Design Honoree Circle

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Die Prinzessinnengärten waren bereits 2014 für den renommierten Curry Stone Design Prize nominiert. Der Preis geht an innovative Projekte weltweit, die Design nutzen, um drängende Fragen sozialer Gerechtigkeit zu adressieren. 2017 wurden die Prinzessinnengärten neben 99 weiteren Projekten in den Social Design Circle des Curry Stone Design Prize aufgenommen.

Im Oktober werden all jene Projektes des Kreises vorgestellt, die sich dem Thema Städte als Ökosysteme widmen, darunter Antonio Scarponi ([onceptual)evices), Auroville Earth Institute, coloco, Marjetica Potrč, Nance Klehm, Pliny Fisk and Gail Vittori (Center for Maximum Potential Building Systems),  Sanergy, Superuse-Studios und das Transition Network!

Ein Interview in Englisch, das wir für die Auszeichnung gegeben haben,  findet sich hier (Episode 46)

Prinzessinnengärten was nominated part of the Social Design Honoree Circle by the Curry Stone Design Prize. You can find a podcast about the garden here (episode 46)


Ableger: Büro- und Veranstaltungsraum in der O45

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Seit diesem Jahr befindet sich nur wenige Meter von den Prinzessinnengärten entfernt der Ableger in der Oranienstraße 45. Die Räume nutzen wir als Büro, für Workshops und Veranstaltungen. Als Nachbarschafts- und Projektraum soll der Ableger auch anderen Gruppen und Initiativen für nicht-kommerzielle Nutzungen offen stehen. Bei Interesse schreibt an: ableger@prinzessinnengarten.net

Das Haus Oranienstraße 45 wurde 1980 besetzt und 1983 legalisiert. Heute ist es selbstverwaltet und Teil des Mietshäusersyndikats. Dies unterscheidet das Haus von vielen anderen in der Nachbarschaft, die von städtischen Wohnungsbaugesellschaften an private Investoren verkauft wurden. Sowohl beim Wohnen wie beim Gewerbe ist der Verdrängungsdruck in der Oranienstraße und in angrenzenden Nachbarschaften inzwischen extrem. Dagegen wehren sich inzwischen eine Reihe von Initiativen wie Stadt von Unten, Kotti und Co, Lause bleibt, Bizim Kiez, GloReiche Nachbarschaft, Bündnis Otto-Suhr-Siedlung & Umgebung im Namen einer solidarischen Nachbarschaft.


„Nichts darf man selber machen“

Solidarisches Statement zur vb 61_12 Aktion an der Berliner Volksbühne

Arbeitsgruppe zur Stadftentwicklungspolitik in der angeeigneten Volksbühne

Arbeitsgruppe zur Stadtentwicklungspolitik in der angeeigneten Volksbühne

Eine Woche wurde die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz von einem Kollektiv bespielt, das sich den Ort in Form einer Inszenierung mit dem Namen „vb 61_12“ angeeignet hatte. Inzwischen wurde die von außen als Besetzung verstandene Bespielung wieder geräumt. Als sich drinnen noch Initiativen treffen konnten, fand sich eine Arbeitsgruppe zusammen aus deren Mitte folgender Text einer solidarischen Erklärung entstand:

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