Greenwashing. Dieses Mal: E.ON

Immer wieder werden urbane Gärten als Werbekullisse verwendet. Unternehmen wie Vattenfall, Aldi oder BMW nutzen das grüne Image, um ihre Produkte zu vermarkten. Dieses Mal hat der Energiekonzern E.ON versucht, in den Prinzessinnengärten einen Clip zudrehen. Hier der Brief, den wir draufhin geschrieben haben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Als Ansprechpersonen von E.ON für Marketing und Corporate Responsibility schreibe ich Ihnen aus Anlass eines Besuchs des Social-Media-Teams Ihres Unternehmens in den Prinzessinnengärten in Berlin. Am gestrigen Montag war eine Gruppe von 5 bis 6 Personen mit Kameras und einem als Huhn verkleideten Darsteller bei uns im Garten.

Wir wurden im Vorfeld nicht um eine Drehgenehmigung gebeten und sind auch vor Ort nicht über den beabsichtigten Dreh informiert worden. Erst als die Gruppe bereits mit dem Filmen abgeschlossen hatte und direkt danach gefragt worden ist, zu welchem Zweck die Aufnahmen denn gemacht wurden, wurde uns mitgeteilt, dass es sich um eine Social-Media-Kampagne von E.ON handelt.

Es entspricht nach meinem Dafürhalten zum einen nicht den professionellen Standards, Aufnahmen zu kommerziellen Zwecken ohne vorheriges Einholen der entsprechenden Zustimmungen und Genehmigungen anzufertigen. Schwerer aber wiegt in diesem Fall, dass sich nicht einmal die Mühe gemacht wurde, den Ort, seine Ziele und die Motivation der hier engagierten Menschen zu verstehen. Es hätte keines großen Recherchenaufwandes bedurft, um zu verstehen, dass solche von Tausenden engagierter Menschen geschaffene Orte für einen anderen Umgang mit Natur, biologischer Vielfalt, Umwelt- und Klimagerechtigkeit stehen. Die Menschen, die in diesem wie in vielen anderen urbanen Gärten oft ehrenamtlich arbeiten, tun dies nicht, um grüne Kulissen für die Werbekampagnen großer Unternehmen herzustellen.

Leider handelt es sich bei dieser Art von Greenwashing nicht um einen Einzelfall. So hat auch ihr Konkurrenzunternehmen Vattenfall in Berlin versucht, sich mit Gemeinschaftsgärten ein grünes Image zuzulegen. Aufgrund der Vielzahl von Fällen, in denen sich Unternehmen Bilder, Narrative und Begriffe aus urbanen Gärten angeeignet haben, um Produkte zu vermarkten, die mit dem Zielen dieser Ort nichts gemein haben, wurde bereits 2014 ein Urban-Gardening-Manifest veröffentlicht, das von über 150 Initiativen unterzeichnet wurde. Zu den Entstehungsgründen dieser politischen Selbstverortung heisst es hier u.a.

„In urbanen Gärten häufen sich die Anfragen von großen Unternehmen und Markenträgern, die Fotoshootings in den „coolen“ Orten machen wollen. Werbespots inszenieren Guerilla Gardening und Strickaktionen im öffentlichen Raum und verknüpfen „angesagte Praxen“ mit dem Verkauf ihrer Produkte. Dem will die urbane Gartenbewegung ein eigenes Statement entgegensetzen, auf die Bedeutung von frei zugänglichen öffentlichen Räumen verweisen und sich politisch verorten in den Bewegungen für ein „Recht auf Stadt“, für die Bedeutung von Stadtnatur und gemeinschaftlich genutzten öffentlichen Raum sowie für eine ökologische und inklusive Urbanitas.“

Dass große Energieunternehmen versuchen, sich mit Social-Media-Kampagnen in alternativen Orten ein grünes Image zu schaffen ist weder originell noch überzeugend in der Auseinandersetzung mit einem der größten Herausforderungen unserer Zeit. Während die Bilder von extremen Überschwemmungen in Bangladesch, Indien, Nepal und Texas durch die Medien gehen, werden hier Bilder von einem als Huhn verkleideten Schauspieler gedreht. Dass entspricht aus meiner Sicht nicht der Verantwortung, díe aus der jahrzehntelanger Energiegewinnung aus fossilen Energieträgern erwächst, mit deren sozialen und ökologischen Folgen noch Generationen von Menschen auf der ganzen Welt zu leben haben werden. Statt alberne Aufnahmen von aufgescheuchten Hühnerdarstellern auf YouTube oder facebook zu posten, sollten man- das ist zumindest meine persönliche Meinung – besser jenen tausenden junger Menschen Gehör schenken, die in der Lausitz oder im rheinischen Braunkohlerevier auch auf die Gefahr persönlicher Kriminalisierung hin für globale Klimagerechtigkeit eintreten.

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