ExRotaprint zu Besuch in der Abendschule

Foto: Marlies Laser
Foto: Marlies Laser

Die “magischen 99 Jahre”. Daniela Brahm und Les Schliesser von ExRotaprint haben in der Abendschule erzählt, wie sie  auf einem langen und mühsamen Weg ein Industriedenkmal im Wedding dauerhaft dem Markt entzogen und in Eigenregie saniert haben. Die gemeinnützige Eigentumsstruktur und eine festgeschriebene Nutzungsmischung aus 1/3 Soziales, 1/3 Gewerbe und 1/3 Kultur zu günstigen Mietpreisen stellen sicher, dass das Gebäude Teil der nachbarschaftsbezogenen Entwicklung ist und nicht – wie die zu einem Spottpreis privatisierten ehemals öffentlichen Liegenschaften im Quartier wie Uferhallen oder Stadtbadt Wedding – zu einem Spekulationsobjekt wurde. Eine große Inspiration für unser Vorhaben, den Prinzessinnengarten zusammen mit der Nachbarschaft dauerhaft als Gemeingut zu sichern. Von besonderem Interesse für uns das Erbbaurecht. Zur Sicherung der Nutzungen des Prinzessinnengartens hatte die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg 2016 ein 40jähriges Erbbaurecht vorgeschlagen. In diesem Fall verbliebe der Grund und Boden in kommunalem Eigentum und die gemeinwohlorientierten Nutzungen würden langfristig festgeschrieben.

 

TwitterGoogle+FacebookEmail

Beitrag in der arch+ zum Gemeinschaffen

Der Katalog zur Ausstellung “An Atlas of Commoning. Orte des Gemeinschaffens” ist als arch+ Nr. 232 erschienen. Zu dem Ausstellungsraum zu Prinzessinnengarten, Nachbarschaftsakademie und Laube findet sich darin auch das Interview “Die Einübung einer anderen Vision von Stadt” mit Elizabeth Calderon Lüning und Marco Clausen, in dem wir auch auf die Zukunft des Ortes am Moritzplatz und Wunschproduktion 99 Jahre Prinzessinnengarten eingehen.

Zum Gemeinschaffen heisst es in dem Heft: es ist “ein Prozess der Aushandlung von Unterschieden und Konflikten zwischen Individuum, Gemeinschaft und Gesellschaft. Ein Prozess der räumlichen Organisation der Beziehungen zwischen Produktion und Reproduktion, Eigentum und Zugang zu Ressourcen. Ein Prozess, in dem Solidaritätsnetzwerke geknüpft und die individuellen und kollektiven Rechte neu definiert werden. Das Projekt stellt die vorherrschenden sozialen und politischen Strukturen infrage und sucht nach neuen Formen einer kollektiven und dennoch pluralistischen Governance. An Atlas of Commoning entfaltet ein Netzwerk der Ideen für ein solidarisches und emanzipatorisches Gemeinschaffen, welches das Individuum nicht in der Gemeinschaft gleichschaltet, sondern das Einzigartige, das Andersartige und das Besondere zu entscheidenden Qualitäten des Miteinanders macht.”

TwitterGoogle+FacebookEmail

Ebos Oase

IMG_4291

Um die Laube herum ist in den letzten eineinhalb Jahren eine wunderschöne Oase enstanden. Irgendwann im Winter 2016/17  hat Ebo aus eigenem Entschluss angefangen, den Zaun am Moritzplatz mit einer Bricolage aus Resthölzern zu verschönern. Aus Steinen, die im Garten herumlagen, hat er dann nach und nach eine Trockenmauer gelegt. Die bestehende Hecke zur Straße hat er mit Kaffeesatz aus dem Gartencafé angereicht und einen aus Wildpflanzen angelegt, die er am Wegesrand gefunden hat. Vielen Dank Ebo für dieses lebendige Kunstwerk: Es geht nicht darum, woher man die Dinge nimmt, es geht darum, wohin man sie trägt”.  Hier was er selbst zu seiner Arbeit schreibt:

 

Utopia Elsewhere

Culturally cut off on an isolated island in Greece for years, I sometimes found piles of old magazines left behind by sun seeking tourists. I began to read them with scissors, cutting out images for years & a day. I started to put the world together like a puzzle with no end or frame. Not interested in what was going on in the world  & living in a place of about 15 broken down houses, my studio filled itself with shreds of what the world seemed to be. With no intension & no idea, the pieces became pictures that I glued together before the wind could mix them up again. It could be parts of my dreams, or parts of the world, or parts of films I never did, because I got stuck there living in the landscape of a movie I started there & never finished. I never did collages before, & after making & editing underground short films for years, the puzzle puzzled me. I did the same with stones I found in olive fields, or wood from abandoned  houses of the village, until the local people one day saw what I was doing. They accused me of black magic, called the police which arrived one morning. A squad of 14 men arrested me & put me to jail for 100 days, because of 3 month summer holidays.The court finally sentenced me for 18 month on probation, after which I packed & left  into the solitude of Manhattan, but you can’t have a hot lover, a hot apartment & a hot job in the same city.
In Berlin I worked digital, manufactured memories of my travel snapshots. Now for the first time I use wood as material to make a fence to keep the world out of the garden. It’s not were you take things from, it’s were you take them to.
And what you see depends on what you are looking for.

Artists without gallery living without the need of permission

TwitterGoogle+FacebookEmail

Stadt von Unten in der Abendschule

Wir-wollen-100-1024x724

Die Initiative Stadt von Unten hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, die geplante Privatisierung zum Höchsgebot des 4,7 Hektar großen Dragoner-Areals in Kreuzberg 61 durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zu verhindern. sie setzt sich ein für ein Modellprojekt “Selbstverwaltet und Kommunal“. In der Abendschule haben wir unter anderem die Idee eines “Bodenrats für kollektives Eigentum” informiert. Im Flyer der Initiative heisst es dazu: “Eine sozial gerechte Stadt fängt beim Boden an. Boden ist keine Ware, er gehört in gesellschaftliches Eigentum. Im Bodenrat ist die Eigentümerschaft am Bodenparitätisch zwischen Mieter*innen, Nachbarschaft und Stadtgesellschaft aufgeteilt, so dass unterschiedliche Interessen gleichermaßen verankert sind. Nur so ist eine echte demokratische Teilhabe in der Frage der Entwicklung, Nutzung und Verwaltung von Boden gegeben.” Vergleichbare Überlegungen gibt es in einer Arbeitsgruppe im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zur Sicherung gemeinwohlorientierter Orte, Häuser und Liegenschaften über einen Community Land Trust.

TwitterGoogle+FacebookEmail

An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens

180628_COM_laube_fk_13

Am 22. Juni hat im Kunstraum Bethanien die Ausstellung An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens Premiere. Das Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) und der ARCH+ wird im Anschluss zehn Jahre lang durch die Welt touren. Das Projekt fokussiert  auf städtische Gemeingüter, worunter  die Schaffung und Bewirtschaftung (materieller und immaterieller) kollektiver Ressourcen und Räume als Grundlage demokratischer Teilhabe verstanden wird. Dazu finden sich in der  Ausstellung auch Beiträge von Common Grounds und der Nachbarschaftsakademie zum Prinzessinnengarten am Moritzplatz als Gemeingut sowie die Laube (Quest)– Florian Koehl and Christian Burkhard.

(mehr…)

TwitterGoogle+FacebookEmail

Vorstellung der Studie Sharing Cities in der Abendschule

Co-Autor Adrien Labaeye hat in der Abendschule das “Sharing Cities. Activation the Urban Commons” vorgestellt und sich mit uns über unterschiedliche Strategien und Modelle für Gemeingüter  ausgetauscht. In dem Buch finden sich Beispiele aus 80 Städten in 35 Ländern und es kann hier frei heruntergeladen werden: www.sharingcities.net

TwitterGoogle+FacebookEmail

Licht, Luft und Scheisse

Bild: Bauhaus Archiv Mueseum für Gestaltung

©Bauhaus Archiv Museum für Gestaltung

 

Die Jury des Fonds Bauhaus heute hat entschieden, das Projekt Archäologien der Nachhaltigkeit zu fördern

 

Der aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Bauhaus von der Kulturstiftung des Bundes eingerichtete Fonds Bauhaus heute fördert in diesem Jahr 14 Projekte, die sich – mal partizipative oder theoretische, mal visionäre oder kritische, mal künstlerische oder investigative – mit dem Erbe des Bauhauses auseinandersetzen. Ausgewählt wurde auch das Projekt “Licht, Luft und Scheisse” zur Archäologie der Nachhaltigkeit, eine Kooperation von: Botanischer Garten und Botanisches Museums Berlin, neue Gesellschaft für bildende Kunst, Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten und Martin-Elsaesser-Stiftung. Die Arbeitsgruppe der ngbk bilden Sandra Bartoli, Marco Clausen, Silvan Linden, Asa Sonjasdotter und Florian Wüst.

In der Veröffentlichung der von der Jury ausgewählten Projekte heisst es: “Die vierzehn Jahre, in denen das Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin seine Aktivitäten entfaltete, wirkten als fulminante Initialzündung in der Geschichte der Architektur, der Kunst und des Designs des 20. Jahrhunderts. Mit dem Bauhaus standen zwischen 1919 und 1933 alle Zeichen auf Anfang; nichts sollte sein wie bisher. Die Fragen, um die das Bauhaus kreiste, sind auch heute noch aktuell: Welche Rolle spielen Kunst und Kultur, wenn es gilt, die schöpferischen Kräfte von Individuen freizusetzen und die Gesellschaft im Sinne des Gemeinwohls zu gestalten? Welche Lebens- und Wohnformen reagieren auf welche gesellschaftlichen Bedürfnisse? Die Antworten werden heute auch die aktuellen Herausforderungen wie Globalisierung, technologische Entwicklung und Migration berücksichtigen müssen.”

Aus dem Konzept der Archäologien der Nachhaltigkeit

Das Forschungs-, Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt “Licht, Luft und Scheisse. Archäologien der Nachhaltigkeit” untersucht die Geschichte der ökologischen Frage im 20. Jahrhundert und setzt diese in Beziehung zu gegenwärtigen urbanen Garten- und Landwirtschaftsbewegungen, zu Selbstversorgung, Selbstbau und nachhaltiger Stadtentwicklung. Das Projekt geht von der These aus, dass in der Moderne der 1920/30er Jahre – mit dem Bauhaus als ihrer exemplarischen Manifestation – die Denkmodelle, Konzepte und Praxen dessen, was in der Umweltbewegung ab den 1960er Jahren unter dem Begriff der „Nachhaltigkeit“ verhandelt wird, bereits angelegt sind. Auch wenn am Bauhaus weder unter Walter Gropius noch seinen Nachfolgern ein direktes Engagement für Naturschutz und nachhaltige Nutzung von Ressourcen vorzufinden ist, lässt sich umgekehrt für nahezu alle Protagonisten des Bauhauses eine intensive Beschäftigung mit biozentristischen Positionen wie etwa der von Raoul Heinrich Francé nachweisen. Die weitgehend unhinterfragte Ansicht, der Moderne fehle das Bewusstsein für die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt und sie sei per Definition gegen die „Natur“ gerichtet, beinhaltet nicht nur die Behauptung eines unüberbrückbaren Gegensatzes. Sie dient auch als Argument für die Undurchführbarkeit jeder ökologischen Alternative und rechtfertigt damit indirekt die fortgesetzte Zerstörung der Natur als Kollateralschaden einer zwangsläufigen Entwicklung, an deren Ende die Technik allein das Überleben der Menschheit sichert.

Angesichts der ungelösten ökologischen Krise der industrialisierten und zunehmend urbanisierten Welt stellt sich die Frage, warum die frühen ganzheitlichen Ansätze zwar gedacht, entwickelt und ausprobiert, jedoch nicht in größerem Maßstab umgesetzt wurden? Und warum scheint vielen heutigen Initiativen die Erinnerung sowohl an die Innovationen als auch das Scheitern ihre Vordenker*innen zu fehlen, aus dem sich gleichsam lernen ließe?

TwitterGoogle+FacebookEmail

Hitzefrei und einen Toast auf all die Spinner, die seit 100 Jahren unser Grün verteidigen!

Eine Glosse von Marco Clausen

An alle da draussen, die zur Abkühlung in die Krumme Lanke springen, im Gleisdreieck-Park skaten, im Mauerpark singen, im Görli einen durchziehen, sich am Teufelssee nackig machen, im Grunewald durchatmen, mit ihren Kindern die Schweine füttern gehen, im Sonnenuntergang des Tempelhofer Feld ein Alster trinken oder Gemüse ziehen, im Prinzessinnengarten die Gartenpizza essen. Wenn ihr nicht eh schon liegt, dann haltet einen Moment inne. Nichts davon kam als Geschenk. Grün in dieser Stadt musste schon immer gegen Spekulation und Bebauung verteidigt und der Politik abgerungen werden. An jedem Tag über 30 Grad sollten wir Hitzefrei kriegen und ein Lied anstimmen auf all jene, die – teils über Jahrzehnte, teils in erbitterten Auseinandersetzungen – Petitionen geschrieben, Proteste organisiert, politischen Druck ausgeübt haben, damit die Bäume nicht gefällt, die Wiesen nicht zubetoniert, die sogenannten „Brachen“ nicht bebaut werden. Auch jene sollten wir in unsere Danksagung einbeziehen, die gleich selbst angefangen haben, die Stadt zu begrünen.

(mehr…)

TwitterGoogle+FacebookEmail

Geh pflanzen – Radikale Selbstversorgung

IMG_5774

In der Schule des Handelns in der Helferei Zürich haben wir uns mit dem Konzept der radikalen Selbstversorgung beschäftigt: “Sind Permakultur, Gemüseabo und Vertragslandwirtschaft zeitgemässe Versorgungsformen? Wer nimmt es auf gegen die Dominanz des gängigen Konsumzirkus?” Für das gemeinsame Essen haben wir mit den WorkshopteilnehmerInnene Zürich nach lokal verfügbaren Lebensmittel erkundet und dabei Wildkräuter gesammelt, Läden entdeckt, die Brot vom Vortag verkaufen, einen nachbarschaftlich organiserten Lernbauernhof besucht und mehr über die Vertragslandwirtschaft (Solidarische Landwirtschaft) in der Schweiz erfahren. Die ReferentInnen haben Ihre Homorare gespendet und die TeilnehmerInnen haben das Geld an Projekte vergeben. Mit 750 € haben sie die Wunschproduktion 99 Jahre Prinzessinnengarten der Abendschule unterstützt: Vielen Dank!

TwitterGoogle+FacebookEmail

Marco Clausen wechselt zu Common Grounds / Wunschproduktion Prinzessinnengarten 99 Jahre Gemeingut

image4

Marco Clausen, Mitgründer des Prinzessinnengartens und der Nachbarschaftsakademie, Foto: Nicolas Jardry

 

Marco Clausen wechselt zu Common Grounds. Er war von 2009 bis 2018 Gesellschafter und Geschäftsführer der Nomadisch Grün gGmbH. Nomadisch Grün hat sich entschieden, den Standort Moritzplatz Ende 2019 zu verlassen.  Mit Common Grounds arbeiten wir seit der Kampagne “Wachsen lassen” (2012/13) daran, den Garten am Moritzplatz als grünen und kulturellen Freiraum zu sichern. Dazu hat Common Grounds die Wunschproduktion Prinzessinnengarten 99 Jahre Gemeingut gestartet. Zusammen mit NachbarInnen, NutzerInnen, ExpertInnen, Initiativen und dem Bezirk formulieren wir Ideen, Wünsche und Visionen für einen dauerhaften Erhalt des Prinzessinnengartens am Moritzplatz.

(mehr…)

TwitterGoogle+FacebookEmail