
Am 18.2. sendet der Hessischer Rundfunk 2 den Beitrag “Postfossile Stadtgestaltung. Die Rückkehr der Obst- und Gemüsegärten”. Zum Inhalt heisst es: “Ob als Nachbarschaftsgarten oder Schulgarten, ob “nomadisches Gärtnern” mit mobilen Beeten oder illegales “Guerillagardening”. Eine neue Lust am Gärtnern ist selbst in die großen Städte zurückgekehrt. Als CO2-Senken tragen die grünen Oasen zum Klimaschutz bei. In Krisenzeiten können sie zur Selbstversorgung dienen. Interkulturelle Gärten stiften zudem Gemeinschaft über Kulturen und Nationalitäten hinweg. Weitsichtige Stadtverwaltungen unterstützen daher das gärtnerische Engagement ihrer Bürger.”
Post-Oil-City ist auch das Thema einer Ausstellung in der Stuttgarter IfA-Gallerie und der neuesten Ausgabe von “Arch+”. Hier findet sich auch ein Artikel von Caroline Mees zur “Urban Agriculture“, in dem es einleitend heisst: “Bereits heute sind Städte für rund 70 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, ein nicht unerheblicher Anteil davon entfällt auf den Transport und die Nahrungsmittelversorgung. Eine nachhaltige Stadtplanung muss daher auch die Verkürzung und Vermeidung von Transportwegen und die Aktivierung lokaler und regionaler Systeme zum Ziel haben.”
Im Sommer letzten Jahres war es nur eine Papiertischdecke in einem Kreuzberger Restaurant, die für unsere Ideen von der Verbindung von mobilen Betonbauten und nomadischen Gärten herhalten musste. Jetzt aber wird es ernst mit dem urbanen Bauernhaus. Unsere Freunde von der Plattenvereinigung werden einen zweigeschossigen Bungalow mit Panoramablick auf den Moritzplatz errichten. Das Teil besteht aus recycelten Betonfertigteilen aus ost- und westdeutschen Plattenbauten. Noch wird der Bau zur Erprobung in der Peter-Behrens-Halle der TU aufgebaut. Hier wird das Maxim-Gorki-Theater am 6.2. in der Reihe “Ökonomie des Lebens” Einar Schleefs „Das Haus“ aufführen – die Passionsgeschichte eines Bauarbeiters zwischen privater Katastrophe und dem eingefriedeten Leben im Kollektiv – bevor das Ganze zu uns in den Garten wandert.
Unsere nomadischen Beete sind die Antwort. So sieht das jedenfalls Sabine Rohlfs in ihrem heutigen Feuilletonbeitrag “Nomadische Landwirtschaft” in der Berliner Zeitung. Und zwar die Antwort auf die Frage, wie sich moderne kosmopolite Lebensweisen, in denen man ständig auf dem Absprung ist nach New York, Rio, Tokyo, wie sich diese also mit einer gärtnerischen Existenz verbinden lassen, d.h. “mit geduldiger Kompostierung, mit zyklischen Abläufen, mit tief verwurzelten Pflanzen”. Unsere mobile Landwirtschaft sei “anders als Garten- oder Hausprojekte, die auf dauerhafte Aneignung abzielen, (…) bereit, bei Bedarf wieder das Feld zu räumen. Möglich ist das dank transportabler, aus Plastik-Brotkisten gestapelter Hochbeete, die man leicht reisefertig machen kann. Sie sehen hübsch aus und machen unabhängig von der Bodenqualität.”
Wie man ein Pickup in eine mobile Farm verwandelt, könnt ihr bei den Leuten von wickedelicate sehen.
Grüne Woche, da denkt man an Häppchenjäger, Claas-Traktoren und preisgekrönte Zuchtbullen. Aber wir haben auch Diskussionem zwischen bedrohten Kleingärtnern und Baustadträten bestaunt, wurden von Ökobauer Hubert Jaksch in die Geheimnisse traditioneller Lebensmittelkonservierung eingeweiht und haben das neue Kompendium seltener Sorten vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen (VERN) ergattert. In Halle 4.2 hat Julia Jahnke vom INKA-Projekt der Humboldt-Universität ihren mobilen “Bildungsgarten Anpassung an den Klimawandel” vorgestellt. Der Prototyp ist entstanden in Zusammenarbeit mit der Forstgruppe der Werkgemeinschaft Berlin-Brandenburg, der Gartenarbeitsschule Wedding und mit uns von Nomadisch Grün .
Die Berliner Zeitung bringt unter dem Titel “Nicht ohne meine Pflanzen” einen Beitrag zum heimatlosen Rosa Rose Garten und unseren nomadischen Prinzessinnengärten.
Eine Schneedecke hat sich sanft über unsere Beete gebreitet. Aber auch Minusgrade halten unsere Freunde aus Bulgarien nicht von einem Besuch im Garten ab. Vesselina (Sariev-Gallery) und Jakob (Robert-Bosch-Stiftung) arbeiten an einen Austauschprogramm Plovdiv – Istanbul – Berlin.

Die Bauern von Kreuzberg sind Pop: Wer hätte gedacht, dass 2009 das Jahr sein würde, in dem sich die urbane Landwirtschaft in Jahresrückblicken wiederfindet – und zwar nicht in den Vereinsblättern des Kleingärtnerwesens, sondern in der spex, dem “Magazin für Popkultur”. Sie kommt zu dem Schluss: “Was wie Fahrradfahren und Vegetarismus lange Jahre als Lebensphilosophie von Hippie-Fundamentalisten galt, bietet (…) plötzlich Identifikationspotential … Städtischen Raum urbar zu machen, ist heutzutage mehr als eine ökologisch geprägte Sozialutopie oder potenzielles Selbstversorgertum … Es ist auch mehr als Baulückenexotismus. Menschen wie Clausen und Shaw geben Freiflächen nicht nur eine Funktion, sondern auch eine soziale Identität.”
Der Artikel findet sich hier
Heute haben wir das hunderste Beet bzw. den hundersten Quadratmeter Ackerfläche im Prinzessinnengarten aufgebaut. Ein erster Schritt in Richtung auf unser ehrgeiziges Ziel, im nächsten Jahr 1000 qm landwirtschaftlich zu bewirtschaften.
Die Stadtsafari war stressig, aufwendig, lustig, ermutigend, produktiv, bewegend, chaotisch, komplex, kreativ, engagiert; alles in allem: eine gute Zeit. Oder, wie unser Junior-Guide Rob es formuliert: “Wenn es so etwas wie die Stadtsafari gibt, dann sollten die Jugendlichen auf jeden Fall zubeißen und mitmachen. Meine Botschaft ist: “lasst euch nicht hängen, habt euer Ziel vor Augen!” Wir jedenfalls möchten uns bei allen Jugendlichen, Senior- und Juniorguides, Helfern und Unterstützern noch einmal von ganzem Herzen bedanken .

TED steht für Technology, Entertainment und Design und ist nach eigener Auskunft ein “annual event where some of the world’s leading thinkers and doers are invited to share what they are most passionate about”. Naja, führende Denker und Macher konnte man vielleicht am Donnerstag nicht erwarten, als zum ersten Mal ein Kreuzberger TED-Ableger im betahaus stattfand. Aber Spass hat es uns dennoch gemacht, die Prinzessinnengärten hier vorzustellen. Und mit den Initiatoren von The Berg stehen wir schon in Verhandlung über eine gärtnerische Nutzung des Südhangs.
Bei dem Bild handelt es sich um ein “graphic recording”, das Anna Lena Schiller während des Vortrages angefertigt hat.