Zukunft der Prinzessinnengärten

Was passiert mit dem Gelände der Prinzessinnengärten am Moritzplatz? Der Tagesspiegel fragt im Interview mit Marco Clausen ob es Angst vor einem Verkauf gibt:

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Kräuter, Gemüse und ein bisschen Utopie: Seit 2009 werden in den Prinzessinnengärten am Moritzplatz Urban-Gardening-Träume wahr. Marco Clausen erzählt, was man in dem grünen Paradies alles machen kann – und warum verlässliche Perspektiven fehlen.

Ihr baut Gemüse an und betreibt ein Café – was kann man im Prinzessinnengarten noch alles machen? Es gibt regelmäßige Gartenarbeitstage, bei denen alle Interessierten mitgärtnern und mehr über den ökologischen Gemüseanbau in der Stadt lernen können. Montags und Mittwochs haben wir eine offene Fahrradwerkstatt und jeden Samstag eine offene Werkstatt, jeden zweiten Sonntag einen Flohmarkt. Wir bieten auch Kurse an, beispielsweise zu Bienenhaltung und Kräuterkunde. Es finden darüber hinaus immer wieder Kochworkshops, Filmvorführungen und öffentliche Gespräche statt.

Wie und von wem wird der Garten bewirtschaftet? Jedes Jahr gärtnern mehrere Hundert Freiwillige in den Prinzessinnengärten mit. Träger des Gartens ist die gemeinnützige Organisation Nomadisch Grün. Für Aufbau und Erhalt sowie die offenen Beteiligungs- und Bildungsangebote des Gartens bekommen wir keine Förderungen – wir versuchen, die Kosten durch eigene wirtschaftliche Tätigkeiten zu finanzieren. Zu diesen zählt neben der Gastronomie auch der Aufbau von Ablegergärten in Schulen, Kitas, Flüchtlingsunterkünften und Kultureinrichtungen.

Steckt auch ein sozialer Ansatz dahinter? Die Prinzessinnengärten verstehen sich als selbstorganisierter offener Lernort. In Workshops, Gartenarbeitstagen, in Projekten mit Kindergärten und Schulen engagieren wir uns für den Schutz von Umwelt und Natur, den Aufbau von weiteren urbanen Gärten, ökologischen Anbau und gesunde Ernährung. Nachbarschaft und freiwillige HelferInnen haben wesentlich dazu beigetragen, dass es diesen Ort gibt, der für alle zugänglich ist und zu einem wichtigen sozialen Treffpunkt geworden ist. Jedes Jahr kommen mehrere zehntausend Menschen zu uns an den Moritzplatz, aus der unmittelbaren Nachbarschaft, aber auch aus der ganzen Welt.

Ihr mietet die Fläche von der Stadt. Habt Ihr Angst, dass das Gelände verkauft werden könnte? Wir sind 2009 als mobiler Garten gestartet. Damals hatten wir jeweils einmonatige Mietverträge mit dem Berliner Liegenschaftsfonds, der die Fläche 2012 an einen Investor verkaufen wollte. Über 30.000 Unterschriften für unsere Kampagne „Wachsen lassen!“ und die Unterstützung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg haben damals die Privatisierung verhindert und die Verlängerung des Pachtvertrags bis Ende 2018 erwirkt. Die BVV hat sich auch im letzten Jahr noch einmal für einen langfristigen Erhalt der gemeinnützigen Nutzungen am Moritzplatz ausgesprochen. Die Entscheidung über die Zukunft der Fläche fällt allerdings im Wesentlichen der Berliner Senat – angesichts der Unsicherheit in Bezug auf die zukünftige Flächennutzung gibt es deshalb immer wieder die Überlegung, an einen alternativen Standort umzuziehen. Vor dem Hintergrund der Privatisierungspolitik des letzten Jahrzehnts und angesichts der fortgesetzten Verdrängung von MieterInnen, kleinen Gewerbetreibenden, kulturellen, sozialen und ökologischen Freiräumen in Berlin, setzen sich aber auch einige der in den Prinzessinnengärten Engagierten zusammen mit anderen Initiativen in der Stadt dafür ein, dass es langfristige Lösungen für gemeinwohlorientierte Nutzungen und eine neue Beteiligungskultur gibt. Unter anderem als Plattform für diese Diskussion haben wir in den vergangenen beiden Jahren die Laube in den Prinzessinnengärten errichtet: Seit letztem Samstag wird sie von dem Verein „common grounds“ als ein offener Kultur-, Nachbarschafts- und Lernort betrieben.

Haben Sie jetzt Lust bekommen, selbst ein bisschen im Dreck zu wühlen? Während der Gartenarbeitstage (Donnerstags 15 bis 18 Uhr, Samstags 11 bis 14 Uhr) kann jeder mit gärtnern. Gartenbar und –restaurant sind täglich (während der Saison) von 12 bis 20 Uhr geöffnet, der Garten selbst von 10 bis 22 Uhr. Alle Infos: Prinzessinnengarten.net

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