Einträge von: Marco Clausen

Gemeingut-Amt

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Ausgehend von der These, dass Stadt als Gemeingut verstanden werden sollte, hat sich eine Gruppe Studierender der TU Berlin am Chair for Urban Design mit der Frage beschäftigt, wie Planer*innen auf vorhandene Planungsinstrumente und Rechte Einfluss nehmen können, um „städtische Gemeingüter“ zu schützen und herzustellen.

„Denn diese Gemeingüter machen unsere Stadt bunter, lebendiger, grüner, lauter, leiser, vielfältiger, gerechter, sozialer, nachhaltiger und interaktiver. Es sind Räume zum teilen, tauschen, verweilen und diskutieren. Räume, die von und für die Nachbarschaft(en) verhandelt, geschaffen und erhalten werden. – Räume, die durch zunehmende Kapitalisierungs- und Gentrifizierungsprozesse aus innerstädtischen Gebieten verschwinden. Auch in vorhandenen Planungsinstrumenten und Gesetzen kommen sie selten vor und können daher auch nicht geschützt werden. Dringender denn je muss Stadt als Gemeingut diskutiert werden! Jetzt!“

Am Rathaus Friedrichshain-Kreuzberg wurden die Ergebnisse in Form eines „Gemeingut Amts“ öffentlich präsentiert. Auf den Plänen findet sich auch der Prinzessinnengarten am Moritzplatz als zu schützender „eroberter Raum und politischer Reibungsort“.

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Silvia Federici zu Besuch im Garten

Silvia Federici zusammen mit Michelle Teran im Prinzessinnengarten

Silvia Federici zusammen mit Michelle Teran im Prinzessinnengarten

Silvia Federici war für einen Vortrag zu The Globalization of Women’s Work and New Forms of Violence Against Women in Berlin. Die Aktualität ihrer Arbeit zu Reproduktionsarbeit zeigt sich daran, dass wie schon bei ihrem letztjährigen Besuch der Votragssaal schon eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung restlos überfüllt war. Federici ist feministische Historikerin und Theoretikerin und ist vor allem mit ihrem Buch Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation (erschienen im Original 2004) weltweit zu einer der wichtigsten Stimmen der Gemeingüterdiskussion geworden. Sie „tritt für Commons ein, also für kollektives Eigentum, das von einer Gemeinschaft organisiert wird, die gleichberechtigt entscheidet und profitiert. Für Federici wird beispielsweise mit Community-Gärten oder Gemeinschaftsküchen an die mittelalterliche Allmende-Tradition angeknüpft. Sie sieht in der in Commons geleisteten Reproduktionsarbeit eine Alternative zur Reproduktionsarbeit im Kapitalismus.“ (Wikipedia)

1972 hat Federici das International Feminist Collective mitgegründet, das die internationale „Lohn für Hausarbeit“-Kampagne startete. Diese ist auch als Beitrag in der Ausstellung „An Atlas of Commoning. Orte des Gemeinschaffens“ im Bethanien zu sehen, in der auch Prinzessinnengarten, die Laube und die Nachbarschaftschaftsakademie als Beispiele des Commoning vertreten sind. Spontan hat sie den Garten besucht und sich an unserer utopischen Kartierung zu 99 Jahre Prinzessinnengartem als Gemeingut beteiligt mit Ideen zu Treffpunkten für die Nachbarschaft wie die Casitas in den Gemeinschaftsgärten New Yorks, Kollektive Küchen, Bauspielplätze und Schulgäretn für die Kinder.

 


Growing Urban Africa – Agriculture in Southern African Cities

Was können wir lernen können von der urbanen Landwirtschaft in Kapstadt, Harare und Maputo? Eingeladen von Severin Halder haben Forschende und Aktivist*innen über Potentiale und Herausforderungen der urbanen Lamdwirtschaft in Südafrika, Mosambik und Zimbabwe zusammen mit den Gästen Prof. Daniel Tevera: (University of Western Cape) und Dr. Abdulrazak Karriem (University of Western Cape) gesprochen.


ExRotaprint zu Besuch in der Abendschule

Foto: Marlies Laser
Foto: Marlies Laser

Die „magischen 99 Jahre“. Daniela Brahm und Les Schliesser von ExRotaprint haben in der Abendschule erzählt, wie sie  auf einem langen und mühsamen Weg ein Industriedenkmal im Wedding dauerhaft dem Markt entzogen und in Eigenregie saniert haben. Die gemeinnützige Eigentumsstruktur und eine festgeschriebene Nutzungsmischung aus 1/3 Soziales, 1/3 Gewerbe und 1/3 Kultur zu günstigen Mietpreisen stellen sicher, dass das Gebäude Teil der nachbarschaftsbezogenen Entwicklung ist und nicht – wie die zu einem Spottpreis privatisierten ehemals öffentlichen Liegenschaften im Quartier wie Uferhallen oder Stadtbadt Wedding – zu einem Spekulationsobjekt wurde. Eine große Inspiration für unser Vorhaben, den Prinzessinnengarten zusammen mit der Nachbarschaft dauerhaft als Gemeingut zu sichern. Von besonderem Interesse für uns das Erbbaurecht. Zur Sicherung der Nutzungen des Prinzessinnengartens hatte die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg 2016 ein 40jähriges Erbbaurecht vorgeschlagen. In diesem Fall verbliebe der Grund und Boden in kommunalem Eigentum und die gemeinwohlorientierten Nutzungen würden langfristig festgeschrieben.

 


Beitrag in der arch+ zum Gemeinschaffen

Der Katalog zur Ausstellung „An Atlas of Commoning. Orte des Gemeinschaffens“ ist als arch+ Nr. 232 erschienen. Zu dem Ausstellungsraum zu Prinzessinnengarten, Nachbarschaftsakademie und Laube findet sich darin auch das Interview „Die Einübung einer anderen Vision von Stadt“ mit Elizabeth Calderon Lüning und Marco Clausen, in dem wir auch auf die Zukunft des Ortes am Moritzplatz und Wunschproduktion 99 Jahre Prinzessinnengarten eingehen.

Zum Gemeinschaffen heisst es in dem Heft: es ist „ein Prozess der Aushandlung von Unterschieden und Konflikten zwischen Individuum, Gemeinschaft und Gesellschaft. Ein Prozess der räumlichen Organisation der Beziehungen zwischen Produktion und Reproduktion, Eigentum und Zugang zu Ressourcen. Ein Prozess, in dem Solidaritätsnetzwerke geknüpft und die individuellen und kollektiven Rechte neu definiert werden. Das Projekt stellt die vorherrschenden sozialen und politischen Strukturen infrage und sucht nach neuen Formen einer kollektiven und dennoch pluralistischen Governance. An Atlas of Commoning entfaltet ein Netzwerk der Ideen für ein solidarisches und emanzipatorisches Gemeinschaffen, welches das Individuum nicht in der Gemeinschaft gleichschaltet, sondern das Einzigartige, das Andersartige und das Besondere zu entscheidenden Qualitäten des Miteinanders macht.“


Ebos Oase

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Um die Laube herum ist in den letzten eineinhalb Jahren eine wunderschöne Oase enstanden. Irgendwann im Winter 2016/17  hat Ebo aus eigenem Entschluss angefangen, den Zaun am Moritzplatz mit einer Bricolage aus Resthölzern zu verschönern. Aus Steinen, die im Garten herumlagen, hat er dann nach und nach eine Trockenmauer gelegt. Die bestehende Hecke zur Straße hat er mit Kaffeesatz aus dem Gartencafé angereicht und einen aus Wildpflanzen angelegt, die er am Wegesrand gefunden hat. Vielen Dank Ebo für dieses lebendige Kunstwerk: Es geht nicht darum, woher man die Dinge nimmt, es geht darum, wohin man sie trägt“.  Hier was er selbst zu seiner Arbeit schreibt:

 

Utopia Elsewhere

Culturally cut off on an isolated island in Greece for years, I sometimes found piles of old magazines left behind by sun seeking tourists. I began to read them with scissors, cutting out images for years & a day. I started to put the world together like a puzzle with no end or frame. Not interested in what was going on in the world  & living in a place of about 15 broken down houses, my studio filled itself with shreds of what the world seemed to be. With no intension & no idea, the pieces became pictures that I glued together before the wind could mix them up again. It could be parts of my dreams, or parts of the world, or parts of films I never did, because I got stuck there living in the landscape of a movie I started there & never finished. I never did collages before, & after making & editing underground short films for years, the puzzle puzzled me. I did the same with stones I found in olive fields, or wood from abandoned  houses of the village, until the local people one day saw what I was doing. They accused me of black magic, called the police which arrived one morning. A squad of 14 men arrested me & put me to jail for 100 days, because of 3 month summer holidays.The court finally sentenced me for 18 month on probation, after which I packed & left  into the solitude of Manhattan, but you can’t have a hot lover, a hot apartment & a hot job in the same city.
In Berlin I worked digital, manufactured memories of my travel snapshots. Now for the first time I use wood as material to make a fence to keep the world out of the garden. It’s not were you take things from, it’s were you take them to.
And what you see depends on what you are looking for.

Artists without gallery living without the need of permission


Stadt von Unten in der Abendschule

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Die Initiative Stadt von Unten hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, die geplante Privatisierung zum Höchsgebot des 4,7 Hektar großen Dragoner-Areals in Kreuzberg 61 durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zu verhindern. sie setzt sich ein für ein Modellprojekt „Selbstverwaltet und Kommunal„. In der Abendschule haben wir unter anderem die Idee eines „Bodenrats für kollektives Eigentum“ informiert. Im Flyer der Initiative heisst es dazu: „Eine sozial gerechte Stadt fängt beim Boden an. Boden ist keine Ware, er gehört in gesellschaftliches Eigentum. Im Bodenrat ist die Eigentümerschaft am Bodenparitätisch zwischen Mieter*innen, Nachbarschaft und Stadtgesellschaft aufgeteilt, so dass unterschiedliche Interessen gleichermaßen verankert sind. Nur so ist eine echte demokratische Teilhabe in der Frage der Entwicklung, Nutzung und Verwaltung von Boden gegeben.“ Vergleichbare Überlegungen gibt es in einer Arbeitsgruppe im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zur Sicherung gemeinwohlorientierter Orte, Häuser und Liegenschaften über einen Community Land Trust.


An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens

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Am 22. Juni hat im Kunstraum Bethanien die Ausstellung An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens Premiere. Das Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) und der ARCH+ wird im Anschluss zehn Jahre lang durch die Welt touren. Das Projekt fokussiert  auf städtische Gemeingüter, worunter  die Schaffung und Bewirtschaftung (materieller und immaterieller) kollektiver Ressourcen und Räume als Grundlage demokratischer Teilhabe verstanden wird. Dazu finden sich in der  Ausstellung auch Beiträge von Common Grounds und der Nachbarschaftsakademie zum Prinzessinnengarten am Moritzplatz als Gemeingut sowie die Laube (Quest)– Florian Koehl and Christian Burkhard.

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Vorstellung der Studie Sharing Cities in der Abendschule

Co-Autor Adrien Labaeye hat in der Abendschule das „Sharing Cities. Activation the Urban Commons“ vorgestellt und sich mit uns über unterschiedliche Strategien und Modelle für Gemeingüter  ausgetauscht. In dem Buch finden sich Beispiele aus 80 Städten in 35 Ländern und es kann hier frei heruntergeladen werden: www.sharingcities.net


Licht, Luft und Scheisse

Bild: Bauhaus Archiv Mueseum für Gestaltung

©Bauhaus Archiv Museum für Gestaltung

 

Die Jury des Fonds Bauhaus heute hat entschieden, das Projekt Archäologien der Nachhaltigkeit zu fördern

 

Der aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Bauhaus von der Kulturstiftung des Bundes eingerichtete Fonds Bauhaus heute fördert in diesem Jahr 14 Projekte, die sich – mal partizipative oder theoretische, mal visionäre oder kritische, mal künstlerische oder investigative – mit dem Erbe des Bauhauses auseinandersetzen. Ausgewählt wurde auch das Projekt „Licht, Luft und Scheisse“ zur Archäologie der Nachhaltigkeit, eine Kooperation von: Botanischer Garten und Botanisches Museums Berlin, neue Gesellschaft für bildende Kunst, Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten und Martin-Elsaesser-Stiftung. Die Arbeitsgruppe der ngbk bilden Sandra Bartoli, Marco Clausen, Silvan Linden, Asa Sonjasdotter und Florian Wüst.

In der Veröffentlichung der von der Jury ausgewählten Projekte heisst es: „Die vierzehn Jahre, in denen das Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin seine Aktivitäten entfaltete, wirkten als fulminante Initialzündung in der Geschichte der Architektur, der Kunst und des Designs des 20. Jahrhunderts. Mit dem Bauhaus standen zwischen 1919 und 1933 alle Zeichen auf Anfang; nichts sollte sein wie bisher. Die Fragen, um die das Bauhaus kreiste, sind auch heute noch aktuell: Welche Rolle spielen Kunst und Kultur, wenn es gilt, die schöpferischen Kräfte von Individuen freizusetzen und die Gesellschaft im Sinne des Gemeinwohls zu gestalten? Welche Lebens- und Wohnformen reagieren auf welche gesellschaftlichen Bedürfnisse? Die Antworten werden heute auch die aktuellen Herausforderungen wie Globalisierung, technologische Entwicklung und Migration berücksichtigen müssen.“

Aus dem Konzept der Archäologien der Nachhaltigkeit

Das Forschungs-, Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt „Licht, Luft und Scheisse. Archäologien der Nachhaltigkeit“ untersucht die Geschichte der ökologischen Frage im 20. Jahrhundert und setzt diese in Beziehung zu gegenwärtigen urbanen Garten- und Landwirtschaftsbewegungen, zu Selbstversorgung, Selbstbau und nachhaltiger Stadtentwicklung. Das Projekt geht von der These aus, dass in der Moderne der 1920/30er Jahre – mit dem Bauhaus als ihrer exemplarischen Manifestation – die Denkmodelle, Konzepte und Praxen dessen, was in der Umweltbewegung ab den 1960er Jahren unter dem Begriff der „Nachhaltigkeit“ verhandelt wird, bereits angelegt sind. Auch wenn am Bauhaus weder unter Walter Gropius noch seinen Nachfolgern ein direktes Engagement für Naturschutz und nachhaltige Nutzung von Ressourcen vorzufinden ist, lässt sich umgekehrt für nahezu alle Protagonisten des Bauhauses eine intensive Beschäftigung mit biozentristischen Positionen wie etwa der von Raoul Heinrich Francé nachweisen. Die weitgehend unhinterfragte Ansicht, der Moderne fehle das Bewusstsein für die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt und sie sei per Definition gegen die „Natur“ gerichtet, beinhaltet nicht nur die Behauptung eines unüberbrückbaren Gegensatzes. Sie dient auch als Argument für die Undurchführbarkeit jeder ökologischen Alternative und rechtfertigt damit indirekt die fortgesetzte Zerstörung der Natur als Kollateralschaden einer zwangsläufigen Entwicklung, an deren Ende die Technik allein das Überleben der Menschheit sichert.

Angesichts der ungelösten ökologischen Krise der industrialisierten und zunehmend urbanisierten Welt stellt sich die Frage, warum die frühen ganzheitlichen Ansätze zwar gedacht, entwickelt und ausprobiert, jedoch nicht in größerem Maßstab umgesetzt wurden? Und warum scheint vielen heutigen Initiativen die Erinnerung sowohl an die Innovationen als auch das Scheitern ihre Vordenker*innen zu fehlen, aus dem sich gleichsam lernen ließe?