Topic: Urbane Gartenbewegung

Die Gärten Berlins müssen als Gemeingüter erhalten werden. Ein Vorschlag aus dem Prinzessinnengarten

Stadtgrün als Gemeingut: „Das ist auch dein Land!“  (Foto: Marco Clausen)

Als Common Grounds setzen wir uns für den dauerhaften Erhalt des Prinzessinnengartens am Moritzplatz ein und darüber hinaus für die Anerkennung der urbanen und Interkulturellen Gärten als unverzichtbarer Bestandteil der sozialen und ökologischen Infrastruktur der Stadt. Hier ein Beitrag von Marco Clausen im Raben Ralf zu dem von uns vorgeschlagenen Dauergartenvertrag, der auch deutlich macht, warum wir Zwischennutzungen für ein Auslaufmodell halten.



Gärten verwurzeln, Zwischennutzungen beenden

Präsentation des Dauergartenvertrags beim Runden Tisch Liegenschaftspolitik im Berliner abgeordnetenhaus 

Als Common Grounds setzen wir uns am Moritzplatz und allgemein für ein Ende der Zwischennutzungen ein. Sie bedeuten immer, dass das was lokal an Beziehungen und Verwurzelungen aufgebaut wird, jederzeit damit rechnen muss, weichen zu müssen. Zwar mögen Beete umziehen können, Nachbarschaften können es nicht. Entsprechend hat sich auch das Berliner Abgeordnetenhaus für eine „Verwurzelung urbaner und interkultureller Gärten“ in der Stadt ausgesprochen, doch immer noch fehlt es an einer Umsetzung der Ziele, die auch im Koalitionsvertrag festgehalten wurden.  

Gerade die gegenwärtige Situation aus Privatisierung, Spekulation und Verdrängung bedeutet: Wenn urbane Gärten weiterhin nur als Zwischennutzung verstanden werden, dann werden sie  über kurz oder lang dem Beton weichen. Das zeigen Fälle wie das bedrohte himmelbeet im Wedding oder die Prachttomate in Neukölln. Daher haben wir als common grounds beim Runden Tisch Liegenschaftspolitik einen Dauergartenvertrag für Berlin gefordert, der die bestehenden 113 urbanen Gärten als Teil der sozialen und ökologischen Infrastruktur in Form eines gemeinwohlorientierten Bodenfonds sichert und 200 neue Gärten schafft. Wir haben versucht zu unterstreichen, dass es in diesen Gärten nicht nur um die Freude an den eigenen Tomatenpflasnzen geht (das auch), sondern sie als Bildungsorte und als Räume, in denen unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen, um sich gemeinsam für ihre Nachbarschaft und die Natur einzusetzen, wichtige Bausteine für einen sozial-ökologischen Stadtumbau und eine demokratische Stadtgesellschaft sind. Es ist daher kein Wunder, dass sich alle Fraktionen des Abgeordnetenhaus für eine „dauerhafte Verwurzelung“ der Gärten eingesetzt haben, und nur die AfD die Gärten ablehnt mit dem Argument, hier würde ein „neuer außerparlamentarischer Acker“ entstehen.
Es hat lange gedauert, bevor das Grün überhaupt einmal Tagesordnungspunkt des Runden Tisches wurde. Vor genau 6 Jahren wurde hier schon einmal der Prinzessinnengarten diskutiert. Ende 2012 haben über 30.000 Unterstützer*innen die vom Senat geplanten Verkauf der Fläche an einen Investor verhindert. Eine der ganz wenigen Ausnahme in der Privatisierungsgeschichte Berlins, bei der eine bereits entschiedener Verkauf zurückgenommen wurde. Eine Bebauung durch einenen Investor ist damit trotz immer wieder anderslautender Gerüchte auch für die Zukunft vom Tisch. Derzeit gibt es keine Bebauungspläne für diesen Ort, vielmehr hat sich der Bezirk sich für einen Erhalt der gemeinwohlorientierten Funktionen des Prinzessinnengartens ausgesprochen. Am Moritzplatz setzen wir uns als Common Grounds daher dafür ein, dass der Prinzessinnengarten auch nach dem für nächstes 2019 angekündigten Wegzug der mobilen Beete von Nomadisch Grün für die nächsten 99 Jahre als Ort der Bildung, des Austausches, der biologischen Vielfalt erhalten bleibt. Um gemeinsam Ideen, Wünsche und Konzepte für einen Erhalt zu entwickeln, treffen wir uns jeden Montag in der „Commons-Abendschule“.

Das aus dem Untersuchungsausschuss „Gemeingut Grün“ hervorgegangen Magazin zum Dauergartenvertrag kann hier heruntergeladen werden:  https://prinzessinnengarten.net/ein-dauergartenvertrag-fuer-berlin/


Fahrradtour Grüne Gemeingüter

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Im Rahmen des Untersuchungsauschuss Gemeingut Grün am ZK/U haben wir Fahrradtouren zu unterschiedlichen selbstorganisierten und umkämpften Grünräumen unternommen. Wir haben versucht zu zeigen, dass viele der von uns heute als selbstverständlich genutzten Parks und Gärten nicht ohne die Eigeninitiative der Menschen in dieser Stadt und teilweise erst durch die breite Mobilisierung gegen die offizielle Planung entstanden sind. So würde es heute weder den Prinzessinnengarten noch den Park am Gleisdreieck geben, hätte sich nicht Intiativen teils über Jahrzehnte gegen     Autobahnplanung und „Kahlschlagsanierung“ gewehrt. Auch das Tempelhofer Feld konnte erst durch einen Volksentscheid der offiziellen Bebauungsplanung entzogen werden. Die erste Berliner Umweltbewegung hat bereits 1915 verhindert, dass der Grunewald nicht zum Spekulationsobekt geworden ist und mit dem Dauerwaldvertrag dafür gesorgt, dass er nicht bebaut werden kann. Besucht haben wir auch aus Initiative von unten entstandene Orte wie  Kinderbauernhöfe am Engelbecken und im Görlitzer Park sowie eine der ältestens Kleingartenkolonie, die „Freie Stunde“ in der Panierstraße. Auch die Kleingärten sind aus einer spontanen Bewegung von Berliner*innen entstanden, die im ausgehenden 19. Jahrhundert auf Brachflächen und am Stadtrand angefangen haben zur Selbstversorgung Gemüse anzubauen. Angesichts der heute von Investoren und der Bauwirtschaft  lancierten Diskussion über eine Bebauung der Keingartenanlagen und angesichst der von Verdrängung bedrohter Gemeinschaftsgärten wie der Prachttomate und dem himmelbeet wollen wir mit dem Untersuchungsausschuss den Berliner Senat auch daran erinnern, dass er die dauerhaften Sicherung der Grün-, Frei- und Naturflächen versprochen und angekündigt hat: „zusammen mit den Akteur*innen der Gartenszene ein gesamtstädtisches Konzept für urbane und interkulturelle Gärten“ zu entwickeln.

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Untersuchungsausschuss Gemeingut Grün

Vorstellung des UA zum Gemeingut Grün in einem Treffen der Berliner Gartenebwegung im Allmende-Kontor

Vorstellung des UA zum Gemeingut Grün in einem Treffen der Berliner Gartenbewegung im Allmende-Kontor

 

Marco Clausen und Kerstin Meyer, die beide in der Abendschule 99 Jahre Prinzessinnengarten aktiv sind, übernehmen für 3 Monate einen „Untersuchungsausschuss“ (UA) zum Thema Gemeingut Grün. Die Untersuchungsausschüsse sind eine vom ZK/U initiierte Serie nichtständiger Ausschüsse zur Untersuchung von stadtgesellschaftlichen Berliner Sachverhalten ein, deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegen. Der erste UA beschäftigt sich mit gemeinwohlorientierten Organisationsformen für die Berliner urbanen Gärten

Berlin gilt als Hauptstadt der urbanen Gärten. Doch viele dieser Gärten sind prekäre Zwischennutzungen. In dem dreimonatigen „Untersuchungsausschuss“ am ZK/U greifen Marco Clausen (Prinzessinnengarten/ Nachbarschaftsakademie) und Kerstin Meyer (100% THF, Volksentscheid Retten) zwischen Juli und September die von der gegenwärtigen Koalition in Aussicht gestellte gesamtstädtische Planung für interkulturelle und urbane Gärten auf und gehen den Fragen nach: Können wir das Grün von unten dauerhaft sichern und gemeinwohlorientiert organisieren, oder müssen die Gärten dem Bagger weichen?

Alle Interessieren sind eingeladen, sich aktiv in den Untersuchungsausschuss einzubringen und sich an den regelmäßige Arbeitsgruppentreffen zu beteiligen.

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Growing Urban Africa – Agriculture in Southern African Cities

Was können wir lernen können von der urbanen Landwirtschaft in Kapstadt, Harare und Maputo? Eingeladen von Severin Halder haben Forschende und Aktivist*innen über Potentiale und Herausforderungen der urbanen Lamdwirtschaft in Südafrika, Mosambik und Zimbabwe zusammen mit den Gästen Prof. Daniel Tevera: (University of Western Cape) und Dr. Abdulrazak Karriem (University of Western Cape) gesprochen.


Hitzefrei und einen Toast auf all die Spinner, die seit 100 Jahren unser Grün verteidigen!

Eine Glosse von Marco Clausen

An alle da draussen, die zur Abkühlung in die Krumme Lanke springen, im Gleisdreieck-Park skaten, im Mauerpark singen, im Görli einen durchziehen, sich am Teufelssee nackig machen, im Grunewald durchatmen, mit ihren Kindern die Schweine füttern gehen, im Sonnenuntergang des Tempelhofer Feld ein Alster trinken oder Gemüse ziehen, im Prinzessinnengarten die Gartenpizza essen. Wenn ihr nicht eh schon liegt, dann haltet einen Moment inne. Nichts davon kam als Geschenk. Grün in dieser Stadt musste schon immer gegen Spekulation und Bebauung verteidigt und der Politik abgerungen werden. An jedem Tag über 30 Grad sollten wir Hitzefrei kriegen und ein Lied anstimmen auf all jene, die – teils über Jahrzehnte, teils in erbitterten Auseinandersetzungen – Petitionen geschrieben, Proteste organisiert, politischen Druck ausgeübt haben, damit die Bäume nicht gefällt, die Wiesen nicht zubetoniert, die sogenannten „Brachen“ nicht bebaut werden. Auch jene sollten wir in unsere Danksagung einbeziehen, die gleich selbst angefangen haben, die Stadt zu begrünen.

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Internationale Urban Farming Konferenz

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Am 11. und 12. September hat die Grüne Liga zu einer internationalen „Urban Farming Conference“ in Berlin eingeladen. Im Fokus der Konferenz stand der internationale Austausch von Projekten sowie die Zusammenarbeit mit Kommunen. Zu Gast waren Projektbeispiele aus Europa, Afrika, Asien, Nord- und Südamerika (Dokumentation). Die über 120 KonferenzteilnehmerInnen aus der ganzen Welt haben auch eine Reihe von Berliner Urban Gardening Projekten besucht. In der Laube in den Prinzessinnengärten gab es einen gemeinsamen Ausklang mit einem gemeinsamen Essen und einem Konzert des Garten- und HipHop-Aktivisten EL AKA (Agroarte, Kolumbien).

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Vorstellung des 15th Garden-Netzwerks zu Ernährungssouceränität in Syrien

Recht auf Stadt

Im Rahmen der Urban Farming Konferenz waren die Prinzessinnengärten  zusammen mit Nicole Rogge (FH Münster) und Rhonda Teitel-Payne (Toronto Urban Growers) eingeladen zu dem von Christa Müller (anstiftung) moderiertem Workshop „Recht auf Stadt“.  Hier der auf den Call hin eingereichte Themenvorschlag

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Greenwashing. Dieses Mal: E.ON

Immer wieder werden urbane Gärten als Werbekullisse verwendet. Unternehmen wie Vattenfall, Aldi oder BMW nutzen das grüne Image, um ihre Produkte zu vermarkten. Dieses Mal hat der Energiekonzern E.ON versucht, in den Prinzessinnengärten einen Clip zudrehen. Hier der Brief, den wir draufhin geschrieben haben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Als Ansprechpersonen von E.ON für Marketing und Corporate Responsibility schreibe ich Ihnen aus Anlass eines Besuchs des Social-Media-Teams Ihres Unternehmens in den Prinzessinnengärten in Berlin. Am gestrigen Montag war eine Gruppe von 5 bis 6 Personen mit Kameras und einem als Huhn verkleideten Darsteller bei uns im Garten.
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„Weg von der Romantisierung“: Prinzessinnengärten als Gemeingut

enorm

Das Magazin enorm hat unter dem Titel „Urbania gestalten“ ein Sonderheft zum Thema Stadt herausgegeben. Darin auch ein aus einem Interview mit mir – Marco Clausen – hervorgegagener Beitrag über das Engagement für „städtische Allgemeingüter“.

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Aktionsforschung und urbane Gartenbewegung

SeverinHalder

Severin Halder hat in Kooperation in der Nachbarschaftsakademie Einblicke  gegeben in seine Aktionsforschungen zu urbanen Gärten und kollektiven Karten in Berlin und Medellín. Themen waren unter anderem die Politisierung urbaner Gärten, das #UrbanGardeningManifest, kritische Kartographie, die Aneignung durch Unternehmen wie Vattenfall und das Verhältnis von Forschen und Aktivismus. Vielen Dank Severin für deine Arbeit auf dem Papier und in der Bewegung!

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